"Ohne Frank hätten wir eine Amateurliga"

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    • "Ohne Frank hätten wir eine Amateurliga"


      KURIER: Ist der Wechsel in den Sport Ab- oder Aufstieg?
      WESTENTHALER: Weder, noch. Mich verbindet mit beiden große Leidenschaft, ich mach mein Hobby zum Beruf.

      Freitag wurde der Nationalrat angelobt. Wehmütig?
      Ich dachte an den Tag, als ich selbst angelobt wurde. Aber ich hab’s überwunden.

      Sie werden als Liga-Vorstand auch mit Kärnten-Präsident Jörg Haider arbeiten müssen. Welches Gesprächsklima wird’s da geben?
      Das gleich korrekte wie zu allen anderen. Ich habe in dieser Funktion nicht parteiisch zu sein. Wenn wir über Fußball sprechen, wird nicht viel Emotion drinnen sein.

      Sollten sich Politiker im Fußball engagieren?
      Da muss man genau unterscheiden. Die Politik hat die Verpflichtung, korrekte Rahmenbedingungen zu schaffen. Aktive Politiker, etwa Minister, sollten nicht in hoher Funktion bei Vereinen sitzen. Diese Erfahrung habe ich etwa beim Sportklub auch selbst einmal gemacht.

      Haben Sie auf Grund Ihrer politischen Vergangenheit Angst, dass Türen zufallen, bevor Sie sie öffnen könnten?
      Wenn’s solche Türen gibt, kenne ich sie nicht. Ich habe mir viele gute Kontakte geschaffen zu allen Parteien.

      Wie würden Sie reagieren, würde Frank Stronach Ihren Vorstandskollegen Kornhoff durch Ewald Stadler ersetzt?
      Das ist so skurril, dass ich mich nicht damit befassen muss. Auf so eine Idee käme niemand. Schon gar nicht Stronach. Vielleicht würde ich mich dann als Volksanwalt bewerben. So weit ich weiß, kann Stadler auch nicht Fußball spielen. Er ist völlig ungeeignet dazu.

      Ein Fußballfunktionär bezeichnete Sie und Austria-Vizepräsident Rudas als die rechte und die linke Hand des Teufels. Sind sie die rechte oder die linke Hand?
      Irrsinnig amüsant. Die Frage ist nur: Wer ist der Teufel?

      Stronach?
      Um Gottes willen. Ich verwahre mich dagegen, Stronach mit dem Teufel gleichzusetzen. Das wäre eine Frechheit. Ich habe in 15 Jahren Politik gelernt, dass man sich nicht mit hundert Prozent seiner Persönlichkeit an eine andere binden sollte. Diesen Fehler mache ich sicher kein zweites Mal.

      Wie arbeitet man mit einem Chef, der vom Fußball relativ wenig Ahnung hat?
      Das bestreite ich vehement. Fußball ist mehr als 90 Minuten, das ist das Gesamtbild aus Wirtschaft, Gesellschaft, Sportpolitik, Sport. Erfolgreich kann man nur mit einem Mix daraus sein. So gesehen hat Stronach sehr viel Ahnung. Und Erfolg, wie man bei Austria sieht. Der zweite Erfolg wird die Liga sein. Der dritte der Gesamtfußball.

      Stronach tauscht laufend Manager und Strategien?
      Das ist das Normalste der Welt. Es hat eben eine Zeit gedauert, bis der richtige Personenmix am Werk war.

      Stronach bewegt sich in seiner Doppelfunktion in einer Grauzone. Wollen Sie das ändern?
      Es gibt zwei Philosophien. Die Funktionärsphilosophie lautet: Das wichtigste sind Statuten, auf diesen reiten wir, selbst mit dem Risiko, dass der Fußball weiter talwärts fährt. Die Reformerphilosophie lautet: Wir halten uns an den Rahmen, aber innerhalb dessen sind Regeln änderbar, wenn es zu Gunsten des Fußballs ist. Da bin ich bei den Reformern. Verdammt noch mal: Man muss froh sein, dass einer Abermillionen investiert. Ohne Stronach hätten wir eine Amateurliga. Und er würde sein Geld in die NBA stecken.

      Stronach-Kritiker behaupten, er verzerre den Wettbewerb. Mit Almosen werde nur der natürliche Regulierungsprozess außer Kraft gesetzt.
      Auch diese Philosophie hat ihre Legitimität. Die Frage ist: Wo wollen wir hin? Mir ist wichtig, dass Österreicher spielen, leider haben wir sie momentan nicht, weil jene Funktionären, die jetzt ein starres System verteidigen, in der Vergangenheit gerade die Jugendarbeit vernachlässigt wurde.

      Hat Österreich ein Funktionärsproblem?
      Ja, aber nicht bei den Präsidenten. Die sind für das Wirtschaftliche verantwortlich. Stronach geht ja nicht wie der Weihnachtsmann umher. Um Erfolg zu haben, müssen sie derzeit teure Legionäre holen. Vielleicht haben wir in fünf, sechs Jahren schon die umgekehrte Situation mit acht, neun Österreicher und wenigen Legionären.

      Wo liegen die Ursachen?
      In der Trainerausbildung und in der Jugendförderung, da ist in den letzten Jahren nix passiert. Ich will in jedem Bundesland eine Akademie. Niemand verlangt öffentliche Steuergelder für Transfers. Ich werde zu allen Landeshauptleuten gehen und sagen: Finanziert die Fußballakademie. Da wird man ein bissl in die Tasche greifen müssen. Wer sich als Politiker heute verschließt, muss sich den Vorwurf gefallen lassen, dass er Österreich mit der EM im Stich lässt.

      Ist dem Fußball gedient, wenn Austria junge Talente auf die Tribüne setzt?
      Tribünensitzen ist tödlich, das Konzept mit den Kooperationen ungenügend. Ich will einen U-23-Bewerb.

      Oder Bewegungstherapie für ausrangierte Oldstars.
      Alternative ist die Tribüne.

      Sind die Gagen zu hoch?
      Fußball-Europa hat ein utopisches Niveau erreicht, das nicht mehr finanzierbar ist. Auch bei uns wird nach unten nivelliert werden.

      Stronach hat eine Steuersenkung für Fußballer angedacht. Sollte man nicht lieber den Klubs helfen?
      Es gibt Ideen, da sind wir erst am Anfang. Wir brauchen Transparenz. Das verlangt die UEFA. Wenn die Lizenz-Richtlinien so beschlossen werden, wie sie in Frage stehen, wird bei uns bis auf Austria keiner übrig bleiben.

      Hat der Fußball aus der FC-Tirol-Rekordpleite gelernt?
      Ich hoffe schon.

      Österreichs Fußball hatte in den letzten 15 Jahren ebenso viele Insolvenzen.
      Fürchterlich - aber in Europa derzeit leider üblich. Ich will das nicht mehr erleben.

      Wie groß ist die Chance, dass Sie wieder im nächsten Nationalrat sitzen?
      Gering. Ich erhalte einen Vierjahresvertrag, der Ausblick auf die EM 2008 ist fantastisch. Ich glaube nicht, dass mich ein Mandat mehr interessieren könnte als eine erfolgreiche WM oder EM.

      Trauen Sie Hans Krankl zu, ein Team 2008 aufzubauen?
      Das ist nicht meine Kompetenz, ich kann nur meine Meinung abgeben: Man wird überlegen müssen, ob man die sportliche Führung nicht schon jetzt auf 2008 ausrichtet. Wenn man sich für Krankl entscheidet, muss man ihm bald einen langfristigen Vertrag geben.


      Quelle: Kurier
      ~ Easy dog ~
    • ... und hier die Reaktion auf Westenthalers Interview ...

      Kopf kritisiert Westenthaler

      Karlheinz Kopf ist nicht nur Nationalratsabgeordneter, Vorarlberger Fußball-Verbandspräsident und Vizepräsident des ÖFB.

      Er gilt als Stronach-Kritiker. Einer der wenigen, der mit seiner Meinung („Stronachs Doppelfunktion als Austria-Chef und Bundesliga-Präsident ist völlig unvereinbar“) nicht hinter dem Berg hält. Und er ist darüber hinaus Vorsitzender der ÖFB-Trainerausbildung.

      Die Kombination dieser beiden Funktionen veranlasste Kopf ein weiteres Mal zu lauter Kritik. Auslöser seiner Empörung: Ein Interview in der Sonntag-Ausgabe des KURIER mit Peter Westenthaler. Der neue Bundesliga-Vorstand meinte darin: „In der Trainerausbildung und in der Jugendförderung ist in den letzten Jahren nix passiert.“

      Kopf reagierte einen Tag später heftig auf diese Aussage. Westenthaler sei bei weitem nicht so ahnungslos, wie er sich in diesem Interview zu geben scheint. „Er weiß sehr gut, dass in den angesprochenen Bereichen noch nie so viel weitergegangen ist, wie in den letzten Jahren“, so Kopf, der sich vor selbigen gestoßen fühlt und „eine weitere Verunglimpfungskampagne von Frank Stronachs Gefolgsleuten gegen die Arbeit des ÖFB im Nachwuchs und in der Trainerausbildung“ ortet. Schon einmal habe Peter Svetits Ähnliches geäußert und sich den Unmut der österreichischen Trainer, mit Hans Krankl an der Spitze, zugezogen.

      Kopf abschließend: „Westenthaler sollte sich rasch darüber klar werden, dass er mit solch unqualifizierten Angriffen die Arbeit der Mitarbeiter in der technischen Abteilung des ÖFB desavouiert.“ Also jene Leute, mit denen er in Zukunft ständig beruflichen Kontakt haben wird.

      Quelle: kurier.at
      [SIZE=1]Die Tarnung der Neider ist die Freundlichkeit für die Mächtigen und der Tritt gegen Gleiche und Untergebene.[/SIZE]
    • Generell ist das Interview ziemlich inhaltsleer (was aber bei derartigen Antrittsinterviews, zumal mit fachlich nicht sonderlich Beschlagenen, eher normal ist). Was mir aber nicht gefällt, ist der folgende Satz:
      Die Funktionärsphilosophie lautet: Das wichtigste sind Statuten, auf diesen reiten wir, selbst mit dem Risiko, dass der Fußball weiter talwärts fährt. Die Reformerphilosophie lautet: Wir halten uns an den Rahmen, aber innerhalb dessen sind Regeln änderbar, wenn es zu Gunsten des Fußballs ist.

      "änderbare" Regeln sind immer etwas Unerfreuliches, denn geändert werden sie normalerweise zugunsten des Stärkeren.
    • ...Amateure gibt es eh praktisch ´gar nicht mehr...zumindest in Deutschland wird in fast jeder Spielklasse Geld verdient..der Fußball ist von der Kreisklasse bis in die BL kommerzialisiert...man denke nur an die Spenden eines "örtlichen Fleischhauers", der dann beispielsweise einen neuen Stürmer vom Lokalrivalen "abwirbt"...ich habe das alles miterlebt...es ist zum :heul:
      [SIZE=3]Danke Gernot Jurtin[/SIZE]